Urlaub im Tiny House Village in Mehlmeisel

  
Leben im Tiny House -- das sieht im Fernsehen und auf Bildern immer super aus. Aber wie ist das in echt? Bei Mehlmeisel im Fichtelgebirge steht das erste Tiny House Village Deutschlands mit dem dazugehörigen Tiny House Hotel, das drei Häuschen für Besucher vermietet.

Um das volle Programm mitnehmen zu können haben wir (ein Pärchen aus Nürnberg, beide gehen auf die 40 zu) uns mit zwei befreundeten Pärchen zusammengetan und alle drei Häuser für zwei Nächte gemietet. Und damit das Wetter nicht zu gut ist haben wir uns für unseren Tripp einen Termin Ende Januar ausgesucht. Im Sommer wären wir vermutlich eh viel draußen... ach ja, und ein Baby hatten wir auch noch dabei.

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Auf der Webseite des Tiny House Village Hotels gibt es übrigens virtuell begehbare 3D-Modelle der drei Tiny Houses. Ich spare mir daher detailierte Beschreibungen: ein 3D-Modell sagt mehr als tausend Worte.

Der erste Eindruck


Bei der Ankunft im Fichtelgebirge hatten wir natürlich erstmal nur Augen für die wunderschöne winterliche Gebirgslandschaft und haben die Ruhe und frische Waldluft genossen. Allerdings nur wenige Minuten -- dann hat uns doch die Neugier gepackt und wir haben schnell eingecheckt und nach einem herzlichen Willkommen und kurzer Einweisung der Inhaber Steffi und Philipp unsere Urlaubsdomizilchen erkundet.

Wir beide haben uns das "tiny-house-igste" der drei Häuschen ausgesucht, das Nordic Fjöll. Beim Eintreten stehen wir schon direkt im Wohnzimmer neben einem großen gemütlichen Sofa und haben einen guten Blick auf den oben gelegenen Arbeitsbereich und in Richtung Küche. Der Küchenbereich ist durch die Treppe zum Arbeitsbereich vom Sofaeck abgetrennt. Der Wohnbereich hat also eine Tiefe von nur ca. 2,5m, trotzdem wirkt alles erstaunlich luftig und offen. Natürlich sind alle Treppen auch Stauraum in Form von Regalen, beziehungsweise Schränken.

An der Treppe vorbei geht es in die recht geräumige Küche. Am hinteren Ende des Häuschens befindet sich ein kleines Badezimmerchen und eine weitere Treppe in die Schlafkoje. Das Loft ist (bis auf den Treppenzugang) ein geschlossener Raum mit 73cm bis 103cm hoher schräger Decke. Das wirkt auf den ersten Blick schon sehr beengend, aber durch zwei Doppel-Fenster ist es dann wiederum gar nicht so schlimm. Und trotz (oder gerade wegen) dem ersten Eindruck der Enge haben wir hier erst einmal fast eine halbe Stunde gesessen und uns verquatscht. Es ist also gar nicht so wild mit dem wenigen Platz.

Damit haben wir auch schon das ganze Häuschen erkundet. Es klingt winzig... und es ist auch ziemlich winzig. Aber uns war schnell klar, dass wir uns hier sehr wohl fühlen werden.

Der erste (Spiele-) Abend


Am Abend haben wir uns alle zusammen im schwedisch angehauchten Häuschen Lill Stuga zum Spieleabend getroffen. Das Häuschen ist noch deutlich kleiner, wirkt aber beim Eintreten gar nicht so viel enger: wir betreten einen kleinen Kombi-Raum mit Küche, Esstisch, Stühlen, Sofa, Regalen, usw. und zwei Leitern in die beiden Schlafkojen. Dieses Haus ist nämlich sogar für zwei Erwachsene plus ein oder zwei Kinder ausgelegt. Und das funktioniert!

Die Leitern haben gegenüber Treppen den Vorteil, dass sie noch deutlich platzsparender sind. Ein Nachteil ist aber natürlich, dass sie keinen Stauraum darunter bieten. Ein weiterer Nachteil ist, dass man deutlich sportlicher sein sollte, vor allem bei der komplett vertikalen Leiter in die Kinderkoje. Das sollte man sich beim eigenen Tiny House also vorher gut überlegen -- vor allem, wenn auch mal Besuch in den Kojen schlafen soll.

Aber zurück zum Spieleabend: wir haben es uns zu sechst um den kleinen Tisch mit Getränken, Knabberkram und einem Kartenspiel gemütlich gemacht. Das ist durchaus kuschelig, war aber für uns nicht ungemütlich. Es herrscht allerdings durchgehend reges Durcheinander: wenn einer aufstehen will müssen mitunter zwei oder drei andere ebenfalls aufstehen und Platz machen. Aber im trauten Freundeskreis hebt das eher die Stimmung, als dass es stört. Wir hatten jedenfalls viel Spaß und gute Laune und haben gar nicht gemerkt, wie schnell die Zeit vergeht.

Frühstück


Am nächsten Morgen habe ich dann mal den Arbeitsbereich über dem Sofaeck getestet (indem ich diesen Bericht angefangen habe). Das war recht gemütlich und produktiv. Ich hatte allerdings eine freundliche helfende Hand, die mir regelmäßig frischen Kaffee angereicht hat und musste daher nicht runter und wieder rauf, wenn die Tasse leer war. Nach etwa einer Stunde Computerarbeit würde ich sagen, dass man dort wohl nicht den ganzen Tag arbeiten kann, aber für kurze Sachen zwischendurch taugt es auf jeden Fall. Länger konnte ich aber ohnehin nicht arbeiten, bevor unsere Freunde kamen.

Denn wir haben uns zu einem "großen" Frühstücksbuffet getroffen. "Bei uns" im Nordic Fjöll gibt es nämlich eine (relativ) geräumige Küche, wo auch drei oder vier Leute zusammen im Stehen Platz finden und einen Tresen, wo wir unser Frühstück aufbauen konnten. Gegessen haben wir im Sofabereich, dort ist um den Tisch herum gut Platz für sechs Personen. Und das Baby war sogar auch noch mit auf dem Sofa.

Wie auch beim Spieleabend im Lill Stuga ist es zu sechst im Sofaeck schon recht kuschelig und es herrscht andauernd ein reges Hin und Her. Es ist also immer ein wenig Dynamik in der Runde. Wenn es mehr als sechs Personen sein sollen wird es vermutlich schnell eine Haus-Party, dann müssen auch Leute in die Küche und womöglich auch in die Lofts ausweichen. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass hier auch deutlich mehr als zehn Personen eine Party feiern können. Falls das Event dann noch größer werden soll muss die Party aber vielleicht warten bis es wärmer wird und der Garten mit zur Verfügung steht.

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A propos kalte Jahreszeit: wir haben beim Frühstück machen und schon vorher beim Duschen festgestellt, dass man recht häufig lüften muss. In allen drei Tiny Houses hängen Hygrometer, die die Luftfeuchtigkeit anzeigen und die schnellen immer wieder mal sprunghaft nach oben: nach dem Duschen, beim Kaffee kochen, beim Eier kochen, wenn der "Besuch" zur Tür rein kommt, usw. Alles, was ein bisschen Feuchtigkeit verursacht lässt das Hygrometer direkt in den "zu feucht"-Bereich hochschnellen. Das gute ist aber, dass es nach 1-2 Minuten Lüften auch direkt wieder im grünen Bereich ist. Und wenn man so kurz lüftet kühlt das Haus auch selbst Ende Januar nicht sonderlich schlimm aus.

Käffchen in der Hütte


Eigentlich hatten wir uns alle etwas überlegt, was wir an unserem einen ganzen Urlaubstag im Fichtelgebirge unternehmen könnten: Ausflug, Therme oder einfach wandern? Schwere Entscheidung... die wurde uns aber vom Wetter abgenommen, denn es war kalt und grau und nach dem Frühstück hat es auch noch angefangen so richtig zu duschen. Also haben wir uns auf einen gemütlichen Tag "zuhause" geeinigt und haben nur etwas Kuchen zum Kaffee trinken geholt. Damit wir auch alle Häuschen testen haben wir uns zum Kaffeetrinken im Manträ Hus getroffen.

Dieses Häuschen unterscheidet sich deutlich von den anderen beiden: es ist komplett aus Holz gebaut und hat somit ein sehr, sehr schönes Raumklima. Allerdings ist alles in einer Ebene, es gibt kein Schlafloft. Somit wird der vorhandene Platz überwiegend vom Bett eingenommen. Das ist gut, wenn man Platz nach oben möchte, aber es wirkt dadurch noch deutlich kleiner als das Lill Stuga, obwohl die Grundfläche und Höhe in etwa gleich sein dürfte. Zum Dauerhaft wohnen zu zweit können wir uns dieses Häuschen eher nicht vorstellen -- aber dafür ist es vermutlich auch nicht gedacht. Oder zumindest müssten die Bewohner schon sehr minimalistisch sein.

Zum Kaffee trinken haben es sich zwei von uns am Tischchen und vier auf dem Bett (um das Baby herum) gemütlich gemacht. Gerade die Beiden, die auf dem Bett hinten saßen waren damit allerdings ziemlich "eingebaut". Mehr als sechs Personen passen kaum zusammen in dieses Häuschen.

Finale: ein Koch-Abend


Was wir alle unbedingt machen wollten war ein Koch-Abend, also "so richtig" Gäste bewirten. Die Qual der Wahl war nun, in welchem der Häuschen wir das versuchen. Wir haben uns für das Lill Stuga entschieden. Als Abendessen habe ich Nudeln mit Gemüsesoße für uns alle gekocht, also nichts übermäßig aufwändiges.

Wie am ersten Abend haben wir es uns also zunächst um den Tisch herum gemütlich gemacht. Der Kochbereich ist zu zweit schon recht gut ausgefüllt, deswegen habe ich einfach alle aus "meiner Küche" verbannt und nach und nach Gemüse zum Schneiden an den Tisch gereicht. Eine besondere Herausforderung in dieser Küche war, dass es praktisch keine Ablagefläche gibt: ein großer Herd, daneben ein Spülbecken und eben der große Tisch, das ist alles.

Die Platznot hat sich allerdings schnell und instinktiv in eine Tugend gewandelt: wo ich zuhause gebrauchte Schüsseln oder Töpfe einfach irgendwo abstelle haben wir sie hier direkt abgespült. So sind alle Töpfe und Schüsseln direkt wieder einsatzbereit oder aufgeräumt und der Kochbereich bleibt ordentlich. Nach der Kochaktion war also eigentlich nur noch der normale Abwasch zu tun, der Rest der Küche war schon erledigt. Und das war nicht groß abgesprochen oder erzwungen, sondern hat sich einfach ergeben. Wer sich also Sorgen macht, dass das Tiny House schnell in Unordnung versinkt, der sollte es einfach mal ausprobieren. Vielleicht klappt das mit dem Ordnung halten auch besser als gedacht.

...und dann noch Schnee!


Gegen Abend ist der Regen noch in Schnee übergegangen, so dass wir am zweiten Morgen eine wunderschöne Schneelandschaft vor der Tür hatten. Die haben wir natürlich noch bei einem schönen Spaziergang durch das Tiny House Village genossen. Selbstverständlich sollte man nach so einem Spaziergang die Schuhe ausziehen, wenn man das Haus betritt, sonst ist schnell das ganze Haus voller Matsch. Und zwar wortwörtlich "das ganze Haus".

Trotz der verschneiten Nacht war unser Häuschen aber nicht allzu schlimm ausgekühlt (allerdings mit laufender Heizung). Auch wenn es im Winter mal richtig kalt wird ist das Wohnen im Tiny House also kein Problem. Allerdings würde ich mir für die kalte Jahreszeit noch eine Badewanne wünschen, die drei Häuschen haben alle nur eine Dusche.

Fazit


Wer (wie wir) vom Leben im Tiny House träumt sollte auf jeden Fall mal ein Tiny House besuchen, beispielsweise bei so einen Urlaub. Dadurch wird das ganze viel greifbarer und anschaulicher: Wie fühlt es sich an in so einem kleinen Raum zu stehen? Wie gut komme ich mit engen und steilen Treppen klar? Wie niedrig kann die Decke sein, damit es für mich noch angenehm ist? Das sind Fragen, die man nur selbst und nur im Praxistest beantworten kann.

Wir beide können es uns nach den beiden Übernachtungen sehr gut vorstellen, in einem Tiny House zu leben -- auch wenn wir natürlich ein paar Dinge anders machen oder anders einrichten würden. Es sind allerdings auch einige Punkte aufgetaucht, die für uns nun absolute Voraussetzungen sind. Beispielsweise ein Garten außenrum und entsprechend viele Fenster. Wenn ich mir das Nordic Fjöll als 25qm-Wohnung in einem Mehrfamilienhaus vorstelle bekomme ich Alpträume... andererseits haben wir im Tiny House Village auch bemerkt, dass es kein riesiges Grundstück (quasi als Ausgleich) braucht, es genügen wenige Meter in alle Richtungen. Zumindest wenn man keinen Garten nutzen möchte.

Wir sind jedenfalls noch mehr von unserem Traum überzeugt und wollen gerne unser eigenes Tiny House bauen! Wir können uns auch sehr gut vorstellen, damit in einem niedlichen, gemütlichen, kleinen Village wie in Mehlmeisel zu wohnen.

Und bis es soweit ist schauen wir mal, wo wir noch Urlaub im Tiny House machen können.
 
Interessanter Urlaubsbericht, vielen Dank! :-)