Der Rechtsausschuss der EU hat diese Woche allen Protesten zum Trotz eine Richtlinie beschlossen, in der... wie soll man es sachlich formulieren...? ...völliger Murks drin steht.

Artikel 11 "Leistungsschutzrecht"

Web-Seiten sollen Verlage bezahlen, wenn sie auf deren Artikel verlinken (mit Textauszug -- aber das ist ja auch schon die Angabe der Artikel-Überschrift).

Dazu gibt es schon Erfahrungswerte, sogar in EU-Staaten: in Deutschland wurde das eingeführt und vom Bundesverfassungsgericht gekippt. In Spanien wurde es eingeführt und daraufhin hat einfach niemand mehr (d.h. vor allem Google) auf Verlage verlinkt, wodurch sie keinen Traffic mehr abbekamen. Also haben die Verlage sich zusammengeschlossen und haben gemeinschaftlich auf die Bezahlung verzichtet. Ergebnis: genauso wie zuvor, aber mit viel mehr Verwaltungsaufwand und Unsicherheit, weil jederzeit ein einzelner Verlag doch wieder Geld sehen wollen könnte. Herzlichen Glückwunsch!

Hier gibt es dazu Informationen von der EU-Abgeordneten Julia Reda.

Artikel 13: "Upload-Filter"

Plattformen, die usergenerierten Content anbieten, wie etwa YouTube, Facebook, usw. sollen beim Upload von Dateien sicherstellen, dass dabei kein urheberrechtlich geschütztes Material verbreitet wird. Mit anderen Worten: Upload-Filter sollen Content vollautomatisch durchsuchen und ablehnen. Das Problem dabei: auch wir in der #Fediversation (Hubzilla, Diaspora, GNU Social, ...) sind solche Plattformen, genau wie tausende kleine Blogs und Bildertausch-Seiten.

Zunächst einmal gibt es da das Problem: wie soll das funktionieren? Selbstverständlich ist fast jedes Foto, jedes Video, jede Musikdatei, usw. nach deutschem Urheberrecht geschützt. Wie soll ein Algorithmus bewerten, welcher Upload nun rechtmäßig ist und welcher nicht? Der Urheber kann sein Werk gerade selbst hochladen. Der Urheber kann sein Werk als gemeinfrei eingestuft haben. Das Verbreitungsrecht kann mündlich gewährt worden sein. Ein Bild kann verändert worden sein und die Rechtslage sich dadurch ändern -- etwa weil der Inhalt nun als Satire anders bewertet werden muss. Kein Algorithmus der Welt kann solche Rechtsfragen klären. Nicht einmal ein Heer menschlicher Prüfer könnte diese Fragen klären.

Übrigens geht es hier auch um Texte, nicht nur um Bilder und Videos!

Wie kann man so eine Upload-Kontrolle also umsetzen? Die brutale Variante (die wenn es hart auf hart kommt vom Gesetzgeber so vorgesehen werden könnte) ist, dass einfach nichts mehr ungeprüft ins Internet hochgeladen werden darf. Kein Hubzilla mehr, kein Facebook, kein YouTube, keine Blogs. Wie ist es eigentlich mit Chats? Oder mit Online-Spielen mit Chat-Funktion? Wie ist es mit Telefonieren / VoIP? Ich kann ja auch einen urheberrechtlich geschützten Text vorlesen oder ein Bild in meine Webcam halten... wenn das alles unterbunden wird ist das Internet tot.

Aber selbst wenn es nur selektiv unterbunden wird, wird hier eine technische Möglichkeit geschaffen / gefordert, um das Verbreiten unliebsamer Inhalte zu verhindern. Mit anderen Worten: Zensur. Und wer glaubt, dass eine solche Zensurmaschienerie bis in alle Ewigkeit nur kleine, hilfsbedürftige Musiker (wie sie alle bei der GEMA arbeiten) davor bewahrt, dass Konzert-Mitschnitte illegal verbreitet werden, muss sehr naiv sein.

Selbstverständlich wird eine Zensurmöglichkeit früher oder später politisiert. Aber vermutlich erst, wenn sie hinreichend zielsicher funktioniert.

Hier gibt es dazu Informationen von Julia Reda.

Wie geht es weiter?

Ich denke kaum jemand hätte gedacht, dass dieser Schrott wirklich beschlossen werden könnte. Aber nun ist es passiert.

Der Rechtsausschuss ist dabei leider nicht irgendein unbedeutender Nebenschauplatz, sondern das Gremium, das die Formulierung beschließt. In zwei Wochen wird über diese Richtlinie im EU-Parlament abgestimmt. Soweit ich das sehe sind dort die möglichen Optionen "ja" oder Vorschläge für einzelne Textänderungen.

Wenn der Entwurf dort angenommen wird sollen die Regelungen noch im Lauf des Jahres in nationales Recht umgesetzt werden. Ich habe keine Ahnung, wie wir das dann noch verhindern können (abgesehen davon, dass die oben genannten Regeln verfassungswiedrig sein dürften)... wir müssen wohl hoffen, dass irgendwo zwischen dem Rechtsausschuss und der nationalen Umsetzung noch ein paar vernunftbegabte Politiker sitzen.

:(

Mehr Informationen gibt es in der letzten Heise-Show oder auf dieser Übersicht von Julia Reda.

Zumindest in Berlin und Stuttgard gibt morgen Demos gegen die Copyright-Reform. Wer in der Gegend ist und Zeit hat kann ja hingehen (und berichten).

- Thomas
 
Kommentar: Internet-Postings werden zur Glückssache

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Beim Upload-Filter trifft ein maximal sensibles Feld wie die Meinungsfreiheit auf maximale technokratische Intransparenz.

  
Oh man...

Ich wollte heute mal was ausdrucken... das stellte sich als schwieriger heraus, als die Sache mit dem Netzwerkspeicher letzte Woche.

Der Ärger fing damit an, dass mein Netzwerkdrucker -- mal wieder -- nicht erkannt wurde, weil die dynamische IP -- mal wieder -- geändert wurde. Aber da heute ja Samstag ist und ich ein wenig Zeit hatte, wollte ich endlich mal schauen, wie ich dem Drucker eine statische IP geben kann.

Also zuerst mal in die Speedport-Einstellungen und dort herumgesucht. Keine Einstellmöglichkeit. Dann im Menü vom Drucker gesucht. Ebenfalls keine Einstellmöglichkeit. Zurück in die Speedport-Einstellungen, Suchradius vergrößert... aha! Irgendwas mit dynamischen Adressen. Deaktiviere ich also mal testweises dieses "DHCP"...

Ich vermute mal, dass Leute, die Ahnung von sowas haben sich nun breit grinsend denken können wie es weitergeht... meine sämtlichen Geräte können plötzlich nicht mehr mit dem Netzwerk verbinden! WLAN ist schon da, aber kein Internet. Und der Zugriff auf den Speedport ist auch nicht mehr... Kathastrophe! Totale Panik! Was ist passiert??

Wie ich jetzt weiß sorgt dieses "DHCP" für die dynamische Vergabe von IP-Adressen an sämtliche Geräte im Netzwerk. Und sämtliche Geräte in meinem Netzwerk sind natürlich so eingestellt, dass sie so eine dynamisch vergebene IP erwarten. Da der Router keine Adressen mehr vergibt warten die Geräte nun vergebens. Soweit so gut, aber wie beheben, ohne Zugriff auf den Router???

Die Lösung ist so banal wie kompliziert umzusetzen: ich muss (mindestens) einen Rechner so konfigurieren, dass er keine dynamische IP erwartet, sondern eine statische Adresse mitbringt. Dann klappt es auch wieder mit dem Verbinden, und dann kann ich auch die Router-Einstellungen wieder ändern. So weit, so gut.

Aber nun habe ich einen Rechner mit statischer IP und der Drucker hat immer noch eine dynamische? Den Rechner habe ich natürlich gleich wieder zurückgestellt, aber der Drucker hat tatsächlich keine Einstellmöglichkeiten. Irgendwann habe ich dann (keine Ahnung, wie ich darauf gekommen bin) auf gut Glück die dynamische IP des Druckers im Browser eingegeben, und siehe da: ein HTML-Konfigurationsmenü! DA kann man auch eine statische IP eingeben... was bei mir aber die Frage aufwirft: warum bitte kann jeder, der in meinem WLAN ist meinen Drucker umkonfigurieren? Und warum kann ich es, wenn ich direkt vor dem Drucker sitze, nicht???

Nun gut... immerhin hat der Drucker jetzt seine statische IP. Und die übrigen Geräte können auch wieder alle verbinden. Also kann ich ja nun endlich drucken...

...aber natürlich war dann auch noch die Tinte alle!

Aaaaaaaaaaaaaaaaaaah!

...so kriegt man seinen Samstag auch rum!


- Thomas
  
Ich habe auch direkt "Ersatz-Tintenpatronen" auf die Liste der Dinge geschrieben, die ich immer zuhause haben sollte ;)
  
Ach ja: die Speedport-Konfiguration finde ich gar nicht so schlimm. Die Menüführung vom Epson-Drucker ist unter aller Sau...

Aber irgendwo auf meiner ToDo-Liste steht auch noch ein Router mit freier Software (voraussichtlich OpenWRT), dann wird sich das mit dem Speedport eh erledigt haben. Aber dazu muss ich erstmal ein Tutorial finden und einen passenden Router besorgen. Ich werde natürlich berichten, wenn es so weit ist.
 
Das war ja mal ein echt aufregender Tag! :o

  zuletzt bearbeitet: Sat, 09 Jun 2018 18:46:52 +0200  
Heute mal was Praktisches, weil ich gerade in paar Minuten gebraucht habe, um es hinzubekommen: wie richte ich einen #Netzwerkspeicher mit #Speedport und #Debian 9 ein?

Erstmal: eine USB-Festplatte an den Router hängen und unter speedport.ip im Bereich Heimnetzwerk -> Benutzer verwalten einen Benutzer anlegen. Jeder Benutzer hat einen eigenen Ordner und kann auf bis zu zwei weitere freigegebene Ordner zugreifen. Warum maximal zwei? Keine Ahnung... die Wunder der Telekom. Die Einstellungen sind ansonsten Selbsterklärend, die Häkchen für FTP brauche ich nicht.

Ich habe also einen Benutzer "thomas" mit seinem persönlichen Ordner und einen weiteren Ordner "Sharing". Was das Telekom-Handbuch nun verschweigt ist, wie ich auf diese Ordner zugreifen kann. Eine kurze Google-Suche ergibt ein sehr hilfreiches "im Windows Datei-Explorer \\speedport.ip in die Adresszeile eingeben". Aber ich nutze ja wie gesagt Linux (Debian 9).

Das magische Stichwort ist nun "Samba", zusammen mit der Info "\\speedport.ip". Einen Samba-Ordner kann man nämlich als Netzwerk-Laufwerk mounten, wenn man weiß wie... und so geht es:

$ sudo apt-get install smbclient cifs-utils

Test-Verbindung aufbauen (das Passwort wird danach abgefragt):

$ smbclient -L speedport.ip -U thomas

Und wenn das geklappt hat passende Ordner anlegen und mounten:

$ mount -t cifs -o username=thomas,password=MeinGeheimesPasswort //speedport.ip/thomas nas1/thomas/
$ sudo mount -t cifs -o username=thomas,password=MeinGeheimesPasswort //speedport.ip/Sharing nas1/Sharing/


...und schon sind die Netzwerk-Ordner in den angegebenen Orten verfügbar!

Auch auf die Gefahr hin, dass das niemanden außer mir interessiert... ich bin grad schon ein bisschen Stolz auf mich, dass ich das hinbekommen habe ;)

- Thomas
  
Mein Passwort ist übrigens nicht "MeinGeheimesPasswort"... ;)
  
...und hier steht noch, wie man die Laufwerke direkt beim Booten einbindet.
 
Ich sehe gerade, dass ich oben einmal ohne und einmal mit "sudo" gemountet hab... scheint als wäre sudo nicht nötig, weil ich die Anweisungen aus der Konsole kopiert hatte -- also wird wohl beides geklappt haben ;)

Zu der verlinkten Anweisung mit dem dauerhaft mounten hab ich noch zwei Anmerkungen:
1. 'smbfs' heißt 'cifs', das muss in fstab entsprechend geändert werden
2. Unter QubesOS müssen die Änderungen im Template vorgenommen werden (und wirken sich folglich auf alle VMs mit diesem Template aus!)

Hier meine auf meinen Fall angepasste Kurzfassung (ausführlich mit Erklärungen ist wie gesagt oben verlinkt):

$ sudo mkdir /etc/sambapasswords
$ sudo chmod 700 /etc/sambapasswords
$ sudo gedit /etc/sambapasswords/speedport.ip


username=thomas
password=MeinGeheimesPasswort


$ sudo chmod 600 /etc/sambapasswords/myserver
$ sudo gedit /etc/fstab


Dort hinzufügen:

//speedport.ip/thomas /home/user/nas1/thomas cifs credentials=/etc/sambapasswords/speedport.ip 0 0
//speedport.ip/Sharing /home/user/nas1/Sharing cifs credentials=/etc/sambapasswords/speedport.ip 0 0

  
Ich habe zur Zeit so viel vor, dass ich (mal wieder) das Gefühl habe nicht so recht voran zu kommen. Das Gefühl kennt sicher jeder...

Vor einiger Zeit habe ich eine ganz interessante Zeitmanagement-Methode gefunden: Zen to Done, lose basierend auf Getting Things Done, aber mit dem Fokus auf die Frage "wie komme ich dahin, dass GTD funktioniert?"

ZTD schlägt zehn Gewohnheiten vor, die man sich jeweils ein paar Wochen lang angewöhnen sollte, und die in Kombination ein strukturiertes Arbeiten und effektives Zeitmanagement erlauben. Diese Gewohnheiten sind:

1. Sammeln Mach Dir bewusst, über welche "Inboxen" Du Informationen und vor allem Aufgaben bekommst; leg Dir ein Notizbuch zu und benutze es auch
2. Abarbeiten Gehe Deine Inboxen regelmäßig durch, erledige kurze Aufgaben sofort und plane längere Aufgaben ein
3. Planen Mach Dir tägliche ToDo-Listen; mach Dir dabei bewusst, was Deine "großen Brocken" sind, die Du unbedingt erledigen willst -- das können Dinge sein, die unbedingt jetzt erledigt werden müssen, aber häufiger sind es einfach die Dinge, auf die Du abends zufrieden blicken kannst und sagst "da hab ich heute mal richtig was geschafft!".
4. Machen Klingt komisch, ist aber so... die eingeplanten Aufgaben müssen auch erledigt werden. Hier geht es aber vor allem um fokusiertes Arbeiten, vergleichbar z.B. mit Pomodoro-Technik: schaff Dir eine Zeit und eine Arbeitsumgebung, wo Du möglichst ohne Ablenkung Deine Aufgaben abarbeiten kannst.
5. Das einfache, vertrauenswürdige System Verwalte Deine Aufgabenlisten in einem möglichst einfachen System. Ich persönlich nutze Weekan-Listen (bzw. Trello) und einen Taschenkalender von Moleskin; wichtig ist vor allem möglichst wenige Listen zu führen und möglichst wenige Dinge reinzuschreiben und vor allem nicht ständig neue Spielsachen auszuprobieren.
6. Organisieren Vor allem das Zuhause / den Arbeitsplatz: alles sollte einen festen Platz haben und sollte nach Benutzung wieder dahin zurück. Also mit anderen Worten: Ordnung halten -- da gibt es übrigens ein eigenes empfehlenswertes Buch für Dummies wie mich.
7. Rückblick Mach am Ende der Woche einen Wochenrückblick: Was hast Du geschafft? Bist Du Deinen Zielen nähergekommen? Was hast Du als nächstes vor?
8. Vereinfachen Suche regelmäßig / gewohnheitsmäßig nach Möglichkeiten Deine Listen und Deine System zu vereinfachen. Klingt ähnlich banal wie "halte halt Ordnung", ist aber sehr effektiv, wenn die übrigen Punkte erstmal zu Gewohnheiten wurden.
9. Routinen Fasse wiederkehrende Aufgaben zu Routinen zusammen, z.B. Morgenroutine, Abendroutine, Besorgunen gebündelt erledigen, usw.
10. Finde Deine Leidenschaft und versuche damit erfolgreich zu sein (was immer für Dich erfolgreich heißt).

Ich bin die Gewohnheiten schon mehrfach durchgegangen und stelle fest, dass sie wirklich helfen können, strukturierter zu arbeiten und damit mit weniger Stress mehr zu erreichen. Allerdings schlafen viele dieser Gewohnheiten bei mir auch schnell wieder ein.

Was bei mir auf jeden Fall dauerhaft funktioniert ist das Notizbuch und der Kalender, die habe ich quasi immer griffbereit, ebenso der Wochenrückblick und das mit der Leidenschaft für das was ich tue klappt auch ganz gut.

Was bei mir weniger (dauerhaft) klappt ist das mit den Routinen, das Ordnung halten und das fokusierte Arbeiten. Vielleicht nehme ich mir mein Büchlein einfach mal wieder vor und konzentriere mich auf diese Dinge... :)

Hat jemand ein anderes tolles Zeitmanagement-System?

Oder klappt das mit dem Aufgaben abarbeiten und Ziele verfolgen bei irgendwem intuitiv?

Thomas
 
Zu Zen to Done gab es mal ein tolles eBook / pdf, aber das scheint inzwischen was zu kosten... deswegen hab ich keinen Link gesetzt.
  zuletzt bearbeitet: Sat, 02 Jun 2018 17:42:22 +0200  
Personal Kanban geht wohl auch in diese Richtung, das Buch gibt es bei dpunkt auch in deutscher Übersetzung.

Map your work, control your life: Personal Kanban

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Overloaded? Kill overload dead! Overload - our universal enemy. It bogs us down during the day and keeps us awake at night. With two simple rules - visualize work and limit work-in-progress - Personal Kanban tames overload and promotes focus and flow, helping us concentrate and complete o...
  
Ich kenne nur Kanban als agiles Change-Management-System für Unternehmen und habe Personal Kanban zwar mal gelesen, aber bisher nicht so richtig verfolgt (und verstanden).

Kannst Du das Buch empfehlen? Oder was über PK sagen? :)

  
Seit gestern ist sie nun also rechtskräftig, die neue DSGVO. Und die Welt ist überraschenderweise noch nicht untergegangen... hier ein Meinungsbild, dem ich größtenteils zustimmen kann, und das auch ähnlich pessimistisch ist wie meine üblichen Texte: Vor wem soll mich die DSGVO schützen? (von Marina Weisband)

Wo ich dem Artikel voll und ganz zustimme ist, dass die DSGVO sich leider hauptsächlich gegen Konzerne richtet und nicht die Datensammelwut des Staates / der Staaten thematisiert. Das ist schade -- wir müssen also fleißig weiter protestieren und sichere Technologien fordern und verwenden, z.B. Ende-zu-Ende-Verschlüsselte Messenger, Emails und Open-Source-Betriebssysteme, usw. Das soll uns aber nicht davon abhalten, die DSGVO als einen großartigen Schritt für den Datenschutz zu sehen. "Könnte mehr sein" ist nicht die schlimmste Kritik...

Was ich aber etwas anders sehe ist die Sache mit den dezentralen Netzwerken:
Das Schlimmste ist aber, dass soziale Netzwerke mit dezentraler Datenspeicherung, zum Beispiel Diaspora, rechtlich enorme Probleme mit der DSGVO und dem Recht auf Löschung bekommen, weil ihre Daten gar nicht von einer Instanz verwaltet werden.


Ich verstehe nicht, wo hier das juristische Problem sein soll. Jeder bei mir angemeldete User kann seine Daten auf meinem Server löschen. Jeder importierte Beitrag hat ohnehin ein Ablaufdatum (bei Hubzilla), die werden also ohnehin früher oder später gelöscht. Das ist kein Problem von dezentralen Netzwerken -- höchstens ein Problem von Diaspora, wenn dort endlos lange Speicherung vorgesehen ist. So oder so: jeder kann von mir verlangen, dass ich seine Daten bei mir lösche. Niemand kann verlangen, dass ich seine öffentlich geposteten Beiträge aus dem gesamten Internet entferne -- deswegen heißt es "öffentlich".

Davon abgesehen habe ich einige spöttisch-abfällige Beiträge über die DSGVO insgesamt gesehen, anscheinend ist der Haupt-Kritikpunkt, dass die doofe EU mal wieder doofe Gesetze macht, die alle ärgern und nur doof sind. Voll doof.

Leute!

Wie schon bei meinem Beitrag über die "flexibleren Arbeitszeitgesetze" festgestellt: schaut bitte erst, wem ein Gesetz nutzt und wem es schadet, bevor ihr kund tut, dass ihr es doof findet! Die DSGVO nutzt allen Verbrauchern in der EU, denn sie zwingt Unternehmen dazu:
- uns zu sagen welche Daten warum und wie lange gespeichert werden -- und zwar jetzt als "opt-in", wir müssen also jeder Nutzung explizit zustimmen
- das ganze ohne "Gesamtpakete" -- Kopplung von Vertragsabschlüssen an nicht unbedingt erforderliche Datenerhebungen sind unzulässig
- diese Daten vernünftig zu sichern -- Unternehmen müssen Datenverluste innerhalb von drei Tagen den Behörden melden, nicht mehr erst wenn jemand nachfragt halbherzig zugeben, dass vielleich ein, zwei oder 3.000.000 Userdatensätze gestolen wurden...
- uns unsere erfassten Daten auf Verlangen zurückzugeben und zu löschen -- und zwar in einer verwertbaren (maschinenlesbaren) Form; theoretisch / rechtlich sind damit die Voraussetzungen geschaffen, um sein Twitter- oder Facebook-Konto komplett herunterzuladen und in Mastodon oder Diaspora wieder hochzuladen! Bei Banken gibt es so einen Service seit einigen Wochen: wenn Du Dein Konto zu einer anderen Bank umziehen willst kannst Du alle Daueraufträge direkt mit übernehmen. Ich frage mich, warum die Banken plötzlich so kundenfreundlich sind, wenn es um einen Wechsel geht...? Hmmmm....

Ein tatsächlicher Kritikpunkt an der DSGVO ist allerdings, dass es keine Ausnahmen für kleine selbstständige und private Blogger, Forenbetreiber, usw. gibt. Das sind die Leute, die nun einiges zu tun hatten und zurecht ein wenig ins Schwitzen kamen -- aber alle, die nicht in diese Gruppe fallen lassen sich mal bitte nicht von der Panik anstecken: es ist hauptsächlich Papierkram zu erledigen, der dazu dient Eure Daten besser zu schützen -- auch in kleinen Foren! Auch das ist also prinzipiell eine gute Sache.

Ich hoffe nun (wie wir alle), dass es keine bösen Abmahnungen gegen Privatleute gibt. Andererseits hoffe ich einfach mal, dass es bei uns nicht so viel zu holen gibt ;) Also: keine Panik, Leute.

Jauchzet und frohlocket lieber, für die EU macht Ernst mit dem Datenschutz!

Thomas
 
Hier kann man's auch nochmal "schön" nachlesen - wobei es natürlich nach wie vor juristischer Text bleibt ...
https://dsgvo-gesetz.de/
  
DSGVO: Mögen die Spiele beginnen

Seit heute ist die DSGVO nun (rechts-)wirksam. noyb.eu legt schonmal gut los und bringt vier Beschwerden wegen „Zwangszustimmung“ gegen Google, Instagram, WhatsApp und Facebook auf…
  
!MINT-Stammtisch Nürnberg/Erlangen

Amazon ermöglicht Live-Gesichtserkennung für ganze Städte

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Amazons Gesichtserkennung Rekognition ermöglicht, ganze Städte in Echtzeit zu überwachen. In den USA wird Rekognition bereits eingesetzt. US-Bürgerrechtler fordern ein Ende dieser Überwachung.
Tom
 via Diaspora
Aber die Frage ist ja, warum ist das so? Haben wir nicht alle Amazon über Jahre erst in die Lage gebracht, dass zu tun? Ich meide Amazon. Das Thema Gesichtserkennung wird uns zukünftig mehr und mehr begegnen. Wenn nicht Amazon, dann ist es ein anderes Unternehmen oder staatliche Stellen. Wie können wir uns dem entziehen?
 
Es geht weniger darum, dass das von Amazon ist, sondern dass es überhaupt gemacht wird und vor allem wie damit umgegangen wird:

Der US-Bürgerrechtsorganisation ACLU (American Civil Liberties Union) stößt insbesondere auf, dass auch eine Polizeibehörde im Bundesstaat Oregon Rekognition einsetzt. Im dortigen County Washington hat der Sheriff 300.000 Fotos von Festnahmen, sogenannte Mugshots, Amazon zum Abgleich zur Verfügung gestellt. Damit können die Beamten sofort erfahren, wo welche Personen vor eine Kamera laufen, die einmal festgenommen worden waren. Zudem können Sheriff-Beamte über ihre Smartphones beliebige Fotos beisteuern.


Polizeibeamte können also jeden in Echtzeit tracken, der mal auffällig wurde oder den einfach irgendein Polizeibeamter verfolgen will. [ironie]Gut, dass das in den USA passiert, und nicht in einem Land, dass Probleme mit übermäßiger und unbegründeter Polizeigewalt hat.[/ironie]
Tom
 via Diaspora
absolut richtig, da stimme ich Dir zu. Dazu fällt mir die automatische Gesichtserkennung am Berliner Hbf. ein...

  
Ich habe gerade auf netzpolitik.org einen interessanten Artikel über Tracking durch die Versicherung gelesen.

Individualisierte Versicherungstarife bedeuten nicht zuletzt, dass Bereiche unseres Lebens der ökonomischen Verwertungslogik unterworfen werden, die bisher frei davon waren. Sie höhlen das Solidaritätsprinzip aus.


Auch wenn ich kein allzu großer Kapitalismuskritiker bin bringt es diese Beobachtung auf den Punkt: es geht der Big-Data-Industrie nicht darum, dass wird gesünder sind oder dass weniger Verbrechen passieren oder dass wir den Haushalt mit Hilfe eines Roboter-Heeres meistern... es geht darum, Geld zu verdienen.

Im Fall von Versicherungen heißt das: die Tarife möglichst "optimal" an die Risiken anpassen. Wer regelmäßig joggen geht zahlt weniger. Wer raucht zahlt mehr. Wer ein Herzproblem hat zahlt mehr. Wer Pizza isst zahlt mehr. Wer keine Fitness-Uhr trägt, um zu beweisen, dass er joggen geht zahlt mehr.

Es geht um unser Geld als Versicherte: unser Lebensstil wird monetisiert. 24/7-Totalüberwachung, damit wir unseren Nutzen für das System beweisen und damit Anspruch auf Unterstützung im Fall einer Krankheit erhalten -- mit der Logik brauchen wir übrigens schwerkranke Mitmenschen gar nicht Unterstützen. Wer Krebs hat soll ertstmal joggen gehen und nicht nur den ganzen Tag im Krankenhausbett liegen.

Solidarität ist out. Oder zumindest ist die Solidarität mit unseren Mitmenschen heute weniger wert als eine Apple Watch von der Versicherung.

- Thomas
  
Dazu ein zynischer Statistiker-Witz:

Die meisten Menschen sterben in Krankenhäusern. Wenn Du also krank bist, gehe ja nicht ins Krankenhaus!


Klingt dämlich und jeder erkennt das Problem, aber was will uns dieser böse Spruch sagen? Ganz einfach: die Statistik kann nur Zusammenhänge aufzeigen, keine Begründungen geben. Wenn wir der Big-Data-Industrie erlauben unseren Lebensstil auf ein paar statistische Kennzahlen zu verkleinern kommen wir in die Situation, dass wir dauernd völlig sinnlose Dinge tun müssen, um unsere Kennzahlen zurecht zu biegen... oder dann eben im Notfall nicht ins Krankenhaus gehen, damit der allmächtige Algorithmus uns nicht benachteiligt.
  
Gleichzeitig wissen 90% der Deutschen nicht, was ein Algorithmus ist...

Umfrage zu Algorithmen:

Dating-Apps, Google, Facebook und Twitter – überall arbeiten im Hintergrund Algorithmen. Eine Studie beleuchtet, was die Deutschen über diese meist streng geheimen mathematischen Formeln als Helfer
denken und wissen – nicht viel Gutes.

  
Der Android-Messenger Briar für Paranoide (und Jorunalisten, politische Aktivisten, ...) ist endlich aus der Beta-Phase raus! Das heißt vor allem: Accounts haben nun kein Verfallsdatum mehr (und die Beta-Accounts wurden wie angekündigt deaktiviert).

Briar ist ein Ende-zu-Ende-Messenger, d.h. die Kommunikation findet ohne einen zentralen Zwischen-Server statt. Eure Kontakte und Nachrichten sind bei Euch auf dem Handy gespeichert (und natürlich auf den Handys der Kommunikationspartner), aber nirgendwo sonst.

Das hat natürlich den Nachteil, dass ihr die Daten nicht "aus der Cloud" wiederherstellen könnt. Es hat aber den großen Vorteil (für Paranoide, Jorunalisten, politische Aktivisten, ...), dass garantiert niemand per Durchsuchungsbefehl oder ein Datenleck an eure persönlichen Chat-Nachrichten kommt.

Darüber hinaus werden auch die Metadaten der Kommunikation geschützt. Metadaten sind diese unscheinbaren Informationen, wer wann mit wem wie intensiv Kontakt hatte. Aus diesen Daten lässt sich beispielsweise ableiten, wer in einer Gruppe von Aktivisten die zentrale Person ist, wo man wohnt, ob man Gesundheitsprobleme hat, usw. (Quelle). Briar schützt diese Daten, indem Nachrichten indirekt (über das Tor-Netzwerk) an den Kommunikationspartner gesendet werden. Somit ist nicht nachvollziehbar, wann und mit wem ihr kommuniziert!

Neben der Möglichkeit über das Internet (via Tor) zu kommunizieren gibt es auch die Möglichkeit, direkt mit Geräten in einem gemeinsamen WLAN oder sogar per Bluetooth zu kommunizieren. Das mag erstmal etwas albern anmuten, es gibt aber zumindest ein bisschen die Möglichkeit einer Kommunikation, falls "jemand das Internet kaputt macht" -- sei es eine Regierung, eine Naturkatastrophe oder ein simpler Stromausfall. Eine interessante Einstzmöglichkeit der Bluetooth-Kommunikation wäre die Verständigung auf einer Demo, ohne auf eine mobile Datenverbindung angewiesen zu sein.

Natürlich werden die Nachrichten verschlüsselt. Ein wichtiger Angriffspunkt bei Verschlüsselung ist allerdings immer der Schlüsseltausch. Bei Briar wird das einfach, aber etwas radikal gelöst: man fügt Kontakte bei einem persönlichen Treffen hinzu und verifiziert dabei die Schlüssel. Hat man erstmal Kontakte kann man diese auch untereinander vorstellen, es muss sich also nicht jeder mit jedem persönlich treffen.

Dennoch hat dieses System den riesen Vorteil, dass es keine "blind vertrauten" Schlüssel gibt -- und damit Men-in-the-Middle-Angriffe ausgeschlossen sind.

Was bietet nun Briar als Messenger? Die Features sind bisher relativ überschaubar:
* Zweier-Chats
* Gruppenchats
* Foren
* Blogs
* RSS-Import zum Nachrichten lesen

Gerade Foren und Blogs sind vielleicht auf den ersten Blick nicht ganz klar. Blogs sind einfach ("öffentliche") Meldungen an alle Kontakte, also so eine Art Darknet-Twitter... Foren sehen auf den ersten Blick wie Gruppenchats aus, allerdings "hängt" ein Gruppenchat immer am Ersteller: nur der Ersteller kann Kontakte einladen und wenn er die Gruppe verlässt wird sie geschlossen. Bei einem Forum kann jeder Teilnehmer weitere Kontakte hinzufügen und das Forum wird erst entfernt, wenn der letzte Teilnehmer rausgeht.

Was ich an Briar momentan am meisten vermisse ist die Möglichkeit, Bilder zu senden. Es ist also (noch) nicht möglich, auf diesem Weg schnell eine Impression mit einem Kontakt zu teilen. Der zweite Kritik-Punkt ist, dass der Messenger permanent online sein sollte, da man Ende-zu-Ende natürlich erstmal nur mit Online-Kontakten kommunizieren kann. Ansonsten macht der Messenger auf mich einen sehr sympatischen Eindruck.

Was ist geplant? Das Briar-Projekt hat einige Features in Aussicht gestellt: Bild-Übertragung, eine Desktop-Version und "Message-Repeater", mit denen die Kommunikation mit Offline-Kontakten möglich wäre. Alles tolle Features, mit denen sich Briar tatsächlich noch zu meinem Standard-Messenger und Top-Empfehlung mausern könnte.

Was es allerdings auf absehbare Zeit nicht geben wird ist eine iOS-Version.

Nutzt jemand schon Briar? Was sind eure ersten Eindrücke?

- Thomas
  
Falls jemand ein ähnliches Problem hat: ich habe in den Orbot-Einstellungen das "start on boot" deaktiviert (was mich eigentlich eh schon länger gestört hat), nach Neustart hat Briar wieder ein grünes Internet-Icon.

Kann es sein, dass sich die zwei Apps nicht sonderlich gut vertragen...?

Ich beobachte mal weiter.
 
Seit dem jüngsten Update (1.6.) scheint das mit dem Internet besser zu funktionieren. Allerdings ist seitdem keiner meiner Kontakte mehr online... *löl*
 
Mail vom Briar-Team:

In the latest release (1.0.8) we fixed a bug that was preventing Briar from connecting to the internet.


Na dann geben wir dem Guten mal noch eine Chance... :)
  
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Keine Ahnung, was heut los ist... mein Artikel will nicht öffentlich erscheinen :(
  
@MINT-Stammtisch Nürnberg/Erlangen+

Agnes ElisaAgnes Elisa schrieb den folgenden Beitrag Fri, 11 May 2018 23:34:31 +0200
♲ Sarah's
Scribbles (rss@sarahcandersen.com):

Photo
Bild/Foto

http://sarahcandersen.com/post/172344085796

[l]#comic #sarahsscribbles #privacy
  
!MINT-Stammtisch Nürnberg/Erlangen

Die ersten Kontakte hab ich schon... :)

P2P-Messenger Briar in Version 1.0 erschienen

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Der Messenger verbindet sich mit anderen Instanzen über das Tor-Protokoll und verspricht Anonymität. Die seit vergangenen Sommer laufende Betaphase ist abgeschlossen, 2018 sollen neue Features kommen.
  
Das relativ kurze, sehr gut geschriebene Manual hilft bei den ersten Schritten.
  
!MINT-Stammtisch Nürnberg/Erlangen

Die Uni Erlangen veranstaltet im Mai und Juni Markttage des Wissens. Das klingt doch interessant...

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Ok, den ersten Termin (gestern) habe ich natürlich schonmal verpasst :)
  
Und es wird ja keiner gezwungen hinzugehen... ;)


Doch! ;-)
Die meisten Leute werden nichts-ahnend zum Markt gehen, wollen wie gewohnt mit dem Händler schwätzen und ihre Einkäufe erledigen... aber dann springt plötzlich so ein Wissenschaftler unter dem Tisch hervor und textet einem zu mit Minigolf bei den alten Römern... ohne dass man irgendeine Wahl hat! :-D
  
Achsooo... :-o
 
HEUTE in Nürnberg!

Ich schaffe es leider nicht... aber wenn jemand hingeht (oder schon da war) könnt ihr ja mitteilen, wie es war ;)

  
Datenschutz ist übrigens out, genauso wie Datensicherheit. Das neue Zauberwort heißt Datensouveränität.

Was ist Souveränität? Wikipedia definiert:

Unter dem Begriff Souveränität versteht man in der Rechtswissenschaft die Fähigkeit einer natürlichen oder juristischen Person zu ausschließlicher rechtlicher Selbstbestimmung. Diese Selbstbestimmungsfähigkeit wird durch Eigenständigkeit und Unabhängigkeit des Rechtssubjektes gekennzeichnet und grenzt sich so vom Zustand der Fremdbestimmung ab.


Der Begriff wurde wohl hauptsächlich von der Big-Data-Lobby geprägt, um uns von der Datenschutz-Thematik abzulenken und um uns einzureden, dass dieses blöde wirtschaftsunfreundliche Datenschutz-Zeug eine Fremdbestimmung ist, die wir abwerfen sollten...

Wenn es nach der Big-Data-Lobby geht soll am Ende nicht derjenige "souverän" sein, den die Daten betreffen, sondern derjenige, der die Daten zusammensammelt. Also Facebook, Google, usw. Da steige ich natürlich aus. Wenn schon Datensouveränität, dann möchte ich selbst über meine Daten bestimmen. Und als souveräner Dateninhaber möchte ich auch wissen, wer was warum mit meinen Daten anstellen will.

Deswegen hämmert Euch bitte ein: Eure Datensouveränität muss Datenschutz beinhalten. Wer ein souveränes Individuum sein will muss auch entsprechend handeln, informierte Entscheidungen treffen, und auch mal auf einen kostenlosen Service verzichten, auch wenn "alle anderen das auch nutzen". Und wenn ihr entscheidet, dass ihr einen Dienst wie Whats-App mit euren Daten bezahlen möchtet, dann respektiert bitte wenigstens die Daten eurer Freunde und Familie...

Datensouveränität finde ich also prinzipiell eine dufte Idee. Also bitte: her mit strengeren Gesetzen, die mir erlauben, Firmen zu verklagen, die meine Souveränität verletzen!

- Thomas

  zuletzt bearbeitet: Sun, 29 Apr 2018 20:23:19 +0200  
Gestern war es endlich so weit: unser erstes Hubzilla-Anwendertreffen hat statt gefunden. Wir waren ein kleiner, vertraulicher Kreis mit drei Usern (neben mir), aber das war ein sehr guter Start für diese Art Veranstaltungen. So konnten wir uns alle gegenseitig unterstützen und ich konnte denke ich auch auf so ziemlich alle aufkommenden Fragen eingehen.

Im Folgenden möchte ich den Ablauf beschreiben und ein paar Impressionen teilen.

Wie bei vielen tollen Dingen mussten wir uns zunächst mit ein wenig Theorie vorbeteiten. Dazu habe ich erstmal ein klein wenig ausgeholt (dezentrale Netzwerke und Federation / Fediverse), um schließlich einen theoretischen Überblick über Hubzilla und Hubzilla-Accounts zu geben.

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Nach dem theoretischen Überblick ging es dann in die Praxis -- wir haben uns ja schließlich zum Anwenden getroffen. Ich habe zunächst einen Rundgang mit einem neuen Account vorgeführt (grob inspiriert an der Hubzilla-Hilfe): Profil- und Titelbild hochladen, Kontakte in Hubzilla und Diaspora suchen, die vielen Einstellungen und Tech-Level, Apps und einfach mal die ersten groben Basics, wie etwa fremde Channel ansehen, letzte Aktivitäten, Channel und Berechtigungen bearbeiten, usw.

In diesem zweiten Teil konnten meine Anwender schon etwas aktiver werden und haben parallel direkt mit gemacht und Hubzilla erforscht. Alles übrigens live im System -- wir haben uns für die Schulung nicht in eine Test-Instanz zurückgezogen.

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Für diesen ersten Teil hatte ich so eineinhalb bis zwei Stunden eingeplant. Als wir dann nach vier Stunden damit fertig waren -- ja, am Zeitmanagement kann ich noch was verbessern... -- haben wir erst einmal Mittagspause gemacht und uns auf unsere wohl verdiente Pizza am Balkon gestürtzt!

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Danach gab es noch einen richtigen Praxisteil mit freiem Ausprobieren und Spielen, wobei es sehr spannend war die verschiedenen Spielwiesen zu verfolgen, sowie zum Abschluss ein Brainstorming, wie es mit unserem Server weitergehen kann.

Insgesamt war die Stimmung trotz des unverschämt guten Wetters draußen sehr gut. Ich denke ich konnte einiges an Wissen über und Sympatie für Hubzilla vermitteln. Vielen Dank natürlich an die Teilnehmer: @Andreas Schelter , @Tanya Borgov und @Gwenny Gloom , ohne Euch hätte mir das Reden und Vorführen nur halb so viel Spaß gemacht ;o)

Ich kann nur alle Hub-Admins ermutigen, so ein Treffen für Eure User anzubieten -- es kam sehr gut an und auch wenn der Teilnehmerkreis überschaubar war haben noch etliche weitere User Interesse bekundet. Ich werde auf jeden Fall noch ein paar weitere Hubzilla-Anwendertreffen veranstalten!

- Thomas
  
Es war wirklich toll und interessant! Vielen Dank und großes Kompliment an dich! Du solltest wirklich mit einer Karriere als Dozent und/oder Kursleiter durchstarten, das hast du voll drauf :D
  
Klingt echt gut! Bravo!
 
Ihr bringt mich ja ganz in Verlegenheit... :)

Ich habe einige Verbesserungsideen, die ich für das nächste Mal noch umsetzen werde (Übungsaufgaben, bessere thematische Gliederung). Natürlich bin ich über jegliche weitere Anregungen dankbar.
  
Diese Woche gibt es mein Wort zum Samstag leider erst am Sonntag...

...denn heute ist unser erstes Hubzilla-Anwendertreffen!

Ich habe ein paar Stichpunkte notiert, die Arbeitsplätze für meine Gäste sind auch schon vorbereitet, Kaffee kocht... es kann also losgehen -- fehlen nur noch die Anwender :)

- Thomas
  
...sie sollten jetzt jeden Moment kommen...

Alles sehr aufregend! ;)
  
Es macht viel Spaß!
Den theoretischen Teil haben wir gerade hinter uns gebracht, es folgt die Praxis... Yay!! :D
  
Puh... das war toll!

Aber jetzt brauch ich erstmal frische Luft und werde noch ein wenig das tolle Wetter genießen :)

  
In etwa einem Monat ist es soweit: der 25. Mai 2018 -- ein Tag, der hoffentlich als Feiertag zu Ehren des europäischen Datenschutzes in die Geschichte eingehen darf: der Tag nämlich, ab dem die seit 2016 gültige Datenschutzgrundverordnung anzuwenden ist, und Konzerne keine Ausreden mehr haben, die strengen europäischen Datenschutzrichtlinien anzuwenden.

Der Stichtag wirft seine Schatten voraus, und noch immer scheinen viele Unternehmen sich nicht hinreichend damit auseinandergesetzt zu haben -- aber das soll nicht das Thema sein. Vielmehr finde ich es durchaus spannend zu verfolgen, inwiefern eventuell vorhandene Verstöße ab dem 25. Mai geahndet werden. Ein Gesetz, bzw. eine EU-Verordnung, zu verabschieden und es auch (national) durchzusetzen sind ja unterschiedliche Dinge.

Was mich aber viel mehr umtreibt ist die Reaktion einer ganz bestimmten Firma, die aktuell für ihren Datenreichtum ziemlich unter Beschuss steht, obwohl sie nichts anders macht als die letzten 14 Jahre: Facebook!

Facebook hat eine ganz eigene Art mit der DSGVO umzugehen. Mark Zuckerberg hat neulich noch groß verkündet, dass Facebook den europäischen Datenschutzstandard sogar weltweit für ihre Nutzer einführen will:

„Insgesamt finde ich solche Regelungen sehr positiv“, sagte Facebook-Chef Mark Zuckerberg in der vergangenen Woche im Gespräch mit Reportern. „Wir beabsichtigen, die gleichen Funktionen überall verfügbar zu machen, nicht nur in Europa.“


Wie das im Detail aussehen soll verrät uns Facebook nun mit seinen neuen AGB, die wir bitte bis 25. Mai zu akzeptieren haben. Nebenher werden sicherheitshalber die Nutzerdaten der nicht-europäischen User von Irland in die USA verschoben. Falls man sich das mit dem weltweit anwenden nochmal anders überlegt. Die Wirtschaftlichkeit und so.

Aber zu den Details. Was möchte Facebook uns denn nun mit den neuen AGB Gutes tun, und wie wollen sie die neuen Datenschutz-Standards einführen?

Es geht schon großartig los:

Der Schutz deiner Privatsphäre hat für uns oberste Priorität. (...) Mit dem Ziel, dir relevantere Werbung zu zeigen, verarbeiten wir Daten, die Werbetreibende, App-Entwickler und Publisher uns über deine Aktivitäten außerhalb von Produkten der Facebook-Unternehmen zur Verfügung stellen. Dazu gehören Daten über deine Nutzung von Partner-Webseiten und -Apps und bestimmte Offline-Interaktionen mit ihnen (z. B. Käufe). Du bestimmst, ob wir diese Daten verwenden, um dir Werbung zu zeigen. (...) beachte jedoch, dass wir (...) Partnerdaten weiterhin für andere Zwecke verwenden (...)


Insbesondere ist es also nicht möglich, der Speicherung und Verarbeitung von Daten anderer Unternehmen durch Facebook zu widersprechen!

Aber was sind das denn nun eigentlich für Daten?

Hier sind einige Beispiele für Daten, die Partner mit uns teilen können:

* Deine Aktivitäten auf Webseiten und in Apps, die Facebook Business-Tools verwenden (z. B. unser Pixel oder den „Gefällt mir“-Button), einschließlich Online-Käufe oder App-Downloads
* Deine Offline-Interaktionen mit Partnern, zum Beispiel der Kauf eines Helms in einem Fahrradgeschäft


Das ist schön, dass eure "Partner" euch das Mitteilen. Partner ist hier ein sehr großzügiger Begriff, wenn es jeden Web-Designer, der einen Like-Button anzeigt, und so ziemlich jeden App-Entwickler einschließt. Und: "unser Pixel"??? Das heißt ich sehe nicht einmal, wenn ich auf der Seite bin, ob ich auf einer eurer "Partner"-Seiten bin?

Wissen eure Partner eigentlich, dass sie eure Komplizen sind? Wer sagt denn, dass eure Partner euch diese Daten überhaupt übermitteln dürfen?

Wer hat schonmal in einem Laden einen Hinweis gesehen, dass die Verkaufsdaten an Facebook gehen? Und wie will das Fahrradgeschäft mich überhaupt identifizieren? Allein die Erwähnung dieser Daten macht Facebook noch gruseliger, als es schon war.

Der eigentliche Hammer, der Anlass zu diesem Artikel, kommt eigentlich erst noch. Facebook ist aber garnicht so doof: ich müsste erst der Datensammelei meiner vollständigen On- und Offline-Aktivitäten zustimmen, bevor sie mir verraten, was sie noch wollen. Daher zitiere ich das aus zweiter Hand:

Tatsächlich aber nutzt der Konzern die Gelegenheit, automatisierte Gesichtserkennung nun auch in der EU und Kanada an den Start zu bringen, die in diesen Regionen aufgrund von Protest bislang nicht ausgerollt wurde. Anders als bei dem ersten Anlauf, das biometrische Verfahren hierzulande einzuführen, sollen Nutzer diesmal um ihr Einverständnis gefragt werden. Das ändert jedoch nichts daran, dass Facebook sich eben doch neue Rechte zur Sammlung und Verwendung von Nutzerdaten einräumen lassen will.

Schließlich basiert die Gesichtserkennung darauf, dass eine Software Fotos analysiert und für Gesichter individuelle Signaturen auf Basis ihrer Merkmale erstellt. Anhand dieser mathematischen Repräsentationen der Gesichter werden Personen dann auf beliebigen Fotos wiedererkannt.


Und damit wäre Facebook endlich in der Lage, euch nicht nur auf Partyfotos automatisch zu taggen -- ob ihr wollt oder nicht -- sondern vor allem auch euch durch die Videoüberwachung des oben genannten Fahrradgeschäfts beim Kauf zu identifizieren. Ach ja... hatte ich mich nicht gewundert, wie sie mich bei "Offline-Ladenkäufen" identifizieren wollen?

Liebes Facebook! Jetzt habt ihr es endlich geschafft... ciao!

- Thomas

Anm.: alle Hervorhebungen in Zitaten sind von mir.

#DSGVO #GDPR #Facebook #Datenschutz #deletefacebook #Facebook-AGB
  
Da freue ich mich doch, nicht dabei zu sein. 😃
  
Ich hoffe Du meinst nicht generell den 25. Mai :D
  
Nee, die f-Firma natürlich! 😃
 
Die Verleihung der aktuellen Big Brother Avards 2018 von gestern gibt es jetzt auch als Video online!


BigBrotherAwards 2018
vonDigitalcourage e.V.amVimeo

Das ging flott! Danke, @Digitalcourage

Ich geh dann mal gucken... :)

#BigBrotherAvard #bba18
  
...und jetzt funktioniert das Video auch... ;)

Viel Spaß allen! Es ist stellenweise sehr deprimierend...
  
Mein persönliches Highlight war: "Nee... Facebook kriegt keinen Avard, die haben den nämlich schon 2011 bekommen und da ist noch nichts wirklich Neues dazu gekommen. Sie arbeiten jetzt an Neuem, aber bisher hat's nicht geklappt."

Schön, dass das auch nochmal deutlich gesagt wurde! Ich frage ja auch dauernd, was die nun plötzlich anders gemacht haben als die letzten Jahre...
  
!MINT-Stammtisch Nürnberg/Erlangen

Die Verleihung der Big Brother Avards gibt es als Video online!

Und freundlicherweise nicht auf youtube:


BigBrotherAwards 2017
vonDigitalcourage e.V.amVimeo

Sehr vorbildlich, @Digitalcourage !

Ich geh dann mal gucken... :)
 
@thomas Verleihung des #BigBrotherAwards 2018 #bba18 ist hier abrufbar https://vimeo.com/216301925 konvertiert aber noch ein bisschen, bis fast zur Hälfte kann man schon schauen, hören geht schon ganz.
 
@thomas ähm hier jetzt 😜 https://vimeo.com/265814323
  
Danke! :)

  
Ich habe mein aktuelles Buch ausgelesen, und dabei kamen mir noch einige Gedanken, die nicht direkt mit dem Inhalt zu tun haben... eine der grundlegenden Thesen des Buches ist, dass Politiker das tun, was ihre essentiellen Unterstützer wollen. In einer Demokratie ist das der Teil der Wähler, der für den Politiker gestimmt hat und weiterhin wird, wenn er diese Leute glücklich macht.

Autokraten haben nun den großen Vorteil, dass sie relativ wenige essentielle Unterstützer haben, und diese somit einzeln mit Geld überschütten können. In einer Demokratie, wo der Herrscher zwischen 10% und 25% der Wahlbevölkerung glücklich machen muss, um seinen Job zu behalten, funktioniert das nicht. Der kluge Demokrat investiert lieber in öffentliche Güter, die vor allem seine Unterstützer glücklich machen. Beispielsweise schnelles Internet auf dem Land -- zufällig eine klassische Hochburg konservativer Politik. Allerdings ist der Witz an öffentlichen Gütern eben, dass alle was davon haben. Deswegen ist das Leben in einer Demokratie auch im allgemeinen besser als in einer Autokratie.

Warum erzähle ich das alles? Zum einen, weil das Buch absolut empfehlenswert ist und noch viel mehr spannende Thesen enthält. Zum anderen aber, weil dieser Zusammenhang eine wichtige Lektion beinhaltet: Politiker tun im großen und ganzen, was wir, das Volk, wollen. Vielleicht sind Teile der Bevölkerung wichtiger als andere, aber dennoch sind unsere Politiker nicht nur von einer Hand voll Leuten abhängig, und müssen somit im Blick haben, was ihre Unterstützer und die Bevölkerung insgesamt gerade möchte -- das ist der politische Nutzen von Grundrechten wie der Meinungsfreiheit.

Dann fragt man sich aber doch, warum so oft Zeug passiert, das wir eigentlich nicht wollen. Zum Beispiel der Skandal um #Facebook und #Datenschutz -- warum haben unsere Politiker uns nicht vor den skrupellosen Kapitalistenschweinen aus Silicon Valley beschützt? Warum machen Politiker und Parteien sogar noch Werbung für Facebook?

Wenn wir mal ehrlich sind kennen wir die Antwort doch alle. Wir wollen es so. Alle sind auf Facebook, also machen die Parteien dort Werbung. Firmen wie #Google und #Microsoft machen einen Haufen Geld mit moralisch zweifelhaften (und illegalen) Mitteln, aber sie stellen auch Services und Apps bereit, die die breite Mehrheit tagtäglich nutzt. Wer sich als Politker offen für freie Software und gegen die Nutzung von Facebook, Google, Windows, iPhones, usw. ausspricht macht sich unbeliebt und verliehrt seinen Job. Oder bekommt ihn garnicht erst.

Mit Versprechen, die niemanden interessieren, gewinnt man keine Wahlen.

- Thomas
  
das ist der politische Nutzen von Grundrechten wie der Meinungsfreiheit


...das Buch ist übrigens an einigen Stellen ziemlich zynisch und deprimierend...