Der Android-Messenger Briar für Paranoide (und Jorunalisten, politische Aktivisten, ...) ist endlich aus der Beta-Phase raus! Das heißt vor allem: Accounts haben nun kein Verfallsdatum mehr (und die Beta-Accounts wurden wie angekündigt deaktiviert).

Briar ist ein Ende-zu-Ende-Messenger, d.h. die Kommunikation findet ohne einen zentralen Zwischen-Server statt. Eure Kontakte und Nachrichten sind bei Euch auf dem Handy gespeichert (und natürlich auf den Handys der Kommunikationspartner), aber nirgendwo sonst.

Das hat natürlich den Nachteil, dass ihr die Daten nicht "aus der Cloud" wiederherstellen könnt. Es hat aber den großen Vorteil (für Paranoide, Jorunalisten, politische Aktivisten, ...), dass garantiert niemand per Durchsuchungsbefehl oder ein Datenleck an eure persönlichen Chat-Nachrichten kommt.

Darüber hinaus werden auch die Metadaten der Kommunikation geschützt. Metadaten sind diese unscheinbaren Informationen, wer wann mit wem wie intensiv Kontakt hatte. Aus diesen Daten lässt sich beispielsweise ableiten, wer in einer Gruppe von Aktivisten die zentrale Person ist, wo man wohnt, ob man Gesundheitsprobleme hat, usw. (Quelle). Briar schützt diese Daten, indem Nachrichten indirekt (über das Tor-Netzwerk) an den Kommunikationspartner gesendet werden. Somit ist nicht nachvollziehbar, wann und mit wem ihr kommuniziert!

Neben der Möglichkeit über das Internet (via Tor) zu kommunizieren gibt es auch die Möglichkeit, direkt mit Geräten in einem gemeinsamen WLAN oder sogar per Bluetooth zu kommunizieren. Das mag erstmal etwas albern anmuten, es gibt aber zumindest ein bisschen die Möglichkeit einer Kommunikation, falls "jemand das Internet kaputt macht" -- sei es eine Regierung, eine Naturkatastrophe oder ein simpler Stromausfall. Eine interessante Einstzmöglichkeit der Bluetooth-Kommunikation wäre die Verständigung auf einer Demo, ohne auf eine mobile Datenverbindung angewiesen zu sein.

Natürlich werden die Nachrichten verschlüsselt. Ein wichtiger Angriffspunkt bei Verschlüsselung ist allerdings immer der Schlüsseltausch. Bei Briar wird das einfach, aber etwas radikal gelöst: man fügt Kontakte bei einem persönlichen Treffen hinzu und verifiziert dabei die Schlüssel. Hat man erstmal Kontakte kann man diese auch untereinander vorstellen, es muss sich also nicht jeder mit jedem persönlich treffen.

Dennoch hat dieses System den riesen Vorteil, dass es keine "blind vertrauten" Schlüssel gibt -- und damit Men-in-the-Middle-Angriffe ausgeschlossen sind.

Was bietet nun Briar als Messenger? Die Features sind bisher relativ überschaubar:
* Zweier-Chats
* Gruppenchats
* Foren
* Blogs
* RSS-Import zum Nachrichten lesen

Gerade Foren und Blogs sind vielleicht auf den ersten Blick nicht ganz klar. Blogs sind einfach ("öffentliche") Meldungen an alle Kontakte, also so eine Art Darknet-Twitter... Foren sehen auf den ersten Blick wie Gruppenchats aus, allerdings "hängt" ein Gruppenchat immer am Ersteller: nur der Ersteller kann Kontakte einladen und wenn er die Gruppe verlässt wird sie geschlossen. Bei einem Forum kann jeder Teilnehmer weitere Kontakte hinzufügen und das Forum wird erst entfernt, wenn der letzte Teilnehmer rausgeht.

Was ich an Briar momentan am meisten vermisse ist die Möglichkeit, Bilder zu senden. Es ist also (noch) nicht möglich, auf diesem Weg schnell eine Impression mit einem Kontakt zu teilen. Der zweite Kritik-Punkt ist, dass der Messenger permanent online sein sollte, da man Ende-zu-Ende natürlich erstmal nur mit Online-Kontakten kommunizieren kann. Ansonsten macht der Messenger auf mich einen sehr sympatischen Eindruck.

Was ist geplant? Das Briar-Projekt hat einige Features in Aussicht gestellt: Bild-Übertragung, eine Desktop-Version und "Message-Repeater", mit denen die Kommunikation mit Offline-Kontakten möglich wäre. Alles tolle Features, mit denen sich Briar tatsächlich noch zu meinem Standard-Messenger und Top-Empfehlung mausern könnte.

Was es allerdings auf absehbare Zeit nicht geben wird ist eine iOS-Version.

Nutzt jemand schon Briar? Was sind eure ersten Eindrücke?

- Thomas
  
Falls jemand ein ähnliches Problem hat: ich habe in den Orbot-Einstellungen das "start on boot" deaktiviert (was mich eigentlich eh schon länger gestört hat), nach Neustart hat Briar wieder ein grünes Internet-Icon.

Kann es sein, dass sich die zwei Apps nicht sonderlich gut vertragen...?

Ich beobachte mal weiter.
 
Seit dem jüngsten Update (1.6.) scheint das mit dem Internet besser zu funktionieren. Allerdings ist seitdem keiner meiner Kontakte mehr online... *löl*
 
Mail vom Briar-Team:

In the latest release (1.0.8) we fixed a bug that was preventing Briar from connecting to the internet.


Na dann geben wir dem Guten mal noch eine Chance... :)