DigitalCourage berichtet heute von der Demo gegen das Polizeiaufgabengesetz in NRW. Dabei hat mich ein bestimmter Beitrag zu meinem Thema inspiriert:

Da wir vor Ort keine Möglichkeit zum Verpixeln von Gesichtern haben, werden wir von der Demo selbst keine Fotos twittern.


Ich musste spontan an eine App des Guardian Projects denken (auf die in den Kommentaren inzwischen auch hingewisen wurde), nämlich ObscuraCam.

ObscuraCam ist anders als der Name vermuten lässt keine Cam, sondern ein Bild-Anonymisierungs-Tool. Ich hatte es vor einiger Zeit mal kurz ausprobiert, aber hatte für mich als Privatmensch keinen großen Nutzen darin gesehen. Wenn man allerdings Bilder mit dem Handy aufnehmen und direkt ins Internet hochladen möchte, dann ist es schon cool. Denn es tut das da:

Bild/Foto

Das Bild habe ich mit meiner üblichen Cam-App aufgenommen und dann in ObscuraCam geöffnet. Die Gesichter werden größtenteils automatisch erkannt und ausgepixelt -- bei dem konkreten Foto hat es nur eines erkannt, aber ich hatte auch Fotos, wo mehrere Gesichter automatisch erkannt und ausgepixelt wurden. Nicht erkannte Gesichter (oder andere Bereiche, die man nicht zeigen möchte) kann man dann einfach durch antippen nachtragen.

Als freundlicher Nebeneffekt werden direkt die Metadaten entfernt -- zumindest stellt MAT fest, dass die Datei Clean ist. Das bearbeitete Bild kann also direkt aus ObscuraCam heraus (per Share-Funktion anderer Apps) mit dem Internet geteilt werden!

Egal, ob nun Berichterstattung von der Demo oder private Fotos für Facebook -- diese App ist sicherlich nützlicher als ich zunächst dachte.

Was hat das Guardian Project noch so zu bieten? Am bekanntesten ist vermutlich Orfox / Orweb und Orbot -- quasi das TOR Browser Bundle für's Handy. Orbot ist übrigens auch ein ziemlich nützliches Tool, weil es auch eine VPN-Modus bietet. Wenn er läuft kann er den Datenverkehr ausgewählter Apps über das Tor-Netzwerk senden. Ich verwende das beispielsweise für den Youtube-Wrapper NewPipe. Geht doch Google nichts an, ob ich das grade bin, der die neuesten Roboter-Videos guggd...

Eine weitere spannende App ist CameraV, das ist quasi das Gegenteil von ObscuraCam: als Journalist möchte ich ja vielleicht in manchen Situationen mein Foto nicht möglichst anonymisieren, sondern im Gegenteil, nachweisen, wann und wo es aufgenommen wurde. Genau das bietet CameraV: Bilder werden lokal verschlüsselt und mit Passwortschutz versehen und offenbar mit einem ganzen Haufen von Meta-Daten aus der ganzen Spannweite der Handy-Sensoren-Daten versehen. Kann ja durchaus mal sinnvoll sein.

Dass sich die Apps des Projekts vor allem an Journalisten und politische Aktivisten richtet wird spätestens mit der schönen App Ripple klar. Ripple kann ein Panic-Signal an andere Apps senden, wodurch diese sich dann tarnen, verstecken oder komplett entfernen können. Selbstverständlich unterstützen die Apps des Guardian Projects so ein Panic-Signal, aber z.B. auch Briar bietet das in den Optionen an. Aber bitte löscht nun nicht versehentlich Eure Briar-Datenbanken beim Herumspielen.

Eine letzte App möchte ich noch erwähnen, weil wir die schon einmal als Thema am Stammtisch hatten: Haven (auch im F-Droid-Store erhältlich, aber nicht in der Rubrik "Guardian Project"). Haven nutzt die dem Handy zur Verfügung stehenden Mittel (Cam, Mikrofon, Bewegungssensor), um zu erkennen, ob sich jemand in der Nähe aufhält und speichert diese "Detections" und / oder sendet eine SMS an ein anderes Handy. Ich kann damit also überwachen, ob meine privaten Räume wirklich privat sind, oder ob sich jemand unbemerkt Zutritt verschafft.

Der Hinweis, dass man mit der Verwendung dieser App schnell in juristisch fragwürdige Situationen kommen kann, erübrigt sich hoffentlich (heimliche Ton- und Video-Aufzeichungen sind in Deutschland verboten!) Allerdings zeigt diese App auch recht beeindruckend, wozu so ein Handy eingesetzt werden kann. Wie viele Apps greifen etwa heimlich auf Euer Mikrofon zu? Oder gar auf die Cam?

Fröhliche Paranoia!

- Thomas