Seit gestern ist sie nun also rechtskräftig, die neue DSGVO. Und die Welt ist überraschenderweise noch nicht untergegangen... hier ein Meinungsbild, dem ich größtenteils zustimmen kann, und das auch ähnlich pessimistisch ist wie meine üblichen Texte: Vor wem soll mich die DSGVO schützen? (von Marina Weisband)

Wo ich dem Artikel voll und ganz zustimme ist, dass die DSGVO sich leider hauptsächlich gegen Konzerne richtet und nicht die Datensammelwut des Staates / der Staaten thematisiert. Das ist schade -- wir müssen also fleißig weiter protestieren und sichere Technologien fordern und verwenden, z.B. Ende-zu-Ende-Verschlüsselte Messenger, Emails und Open-Source-Betriebssysteme, usw. Das soll uns aber nicht davon abhalten, die DSGVO als einen großartigen Schritt für den Datenschutz zu sehen. "Könnte mehr sein" ist nicht die schlimmste Kritik...

Was ich aber etwas anders sehe ist die Sache mit den dezentralen Netzwerken:
Das Schlimmste ist aber, dass soziale Netzwerke mit dezentraler Datenspeicherung, zum Beispiel Diaspora, rechtlich enorme Probleme mit der DSGVO und dem Recht auf Löschung bekommen, weil ihre Daten gar nicht von einer Instanz verwaltet werden.


Ich verstehe nicht, wo hier das juristische Problem sein soll. Jeder bei mir angemeldete User kann seine Daten auf meinem Server löschen. Jeder importierte Beitrag hat ohnehin ein Ablaufdatum (bei Hubzilla), die werden also ohnehin früher oder später gelöscht. Das ist kein Problem von dezentralen Netzwerken -- höchstens ein Problem von Diaspora, wenn dort endlos lange Speicherung vorgesehen ist. So oder so: jeder kann von mir verlangen, dass ich seine Daten bei mir lösche. Niemand kann verlangen, dass ich seine öffentlich geposteten Beiträge aus dem gesamten Internet entferne -- deswegen heißt es "öffentlich".

Davon abgesehen habe ich einige spöttisch-abfällige Beiträge über die DSGVO insgesamt gesehen, anscheinend ist der Haupt-Kritikpunkt, dass die doofe EU mal wieder doofe Gesetze macht, die alle ärgern und nur doof sind. Voll doof.

Leute!

Wie schon bei meinem Beitrag über die "flexibleren Arbeitszeitgesetze" festgestellt: schaut bitte erst, wem ein Gesetz nutzt und wem es schadet, bevor ihr kund tut, dass ihr es doof findet! Die DSGVO nutzt allen Verbrauchern in der EU, denn sie zwingt Unternehmen dazu:
- uns zu sagen welche Daten warum und wie lange gespeichert werden -- und zwar jetzt als "opt-in", wir müssen also jeder Nutzung explizit zustimmen
- das ganze ohne "Gesamtpakete" -- Kopplung von Vertragsabschlüssen an nicht unbedingt erforderliche Datenerhebungen sind unzulässig
- diese Daten vernünftig zu sichern -- Unternehmen müssen Datenverluste innerhalb von drei Tagen den Behörden melden, nicht mehr erst wenn jemand nachfragt halbherzig zugeben, dass vielleich ein, zwei oder 3.000.000 Userdatensätze gestolen wurden...
- uns unsere erfassten Daten auf Verlangen zurückzugeben und zu löschen -- und zwar in einer verwertbaren (maschinenlesbaren) Form; theoretisch / rechtlich sind damit die Voraussetzungen geschaffen, um sein Twitter- oder Facebook-Konto komplett herunterzuladen und in Mastodon oder Diaspora wieder hochzuladen! Bei Banken gibt es so einen Service seit einigen Wochen: wenn Du Dein Konto zu einer anderen Bank umziehen willst kannst Du alle Daueraufträge direkt mit übernehmen. Ich frage mich, warum die Banken plötzlich so kundenfreundlich sind, wenn es um einen Wechsel geht...? Hmmmm....

Ein tatsächlicher Kritikpunkt an der DSGVO ist allerdings, dass es keine Ausnahmen für kleine selbstständige und private Blogger, Forenbetreiber, usw. gibt. Das sind die Leute, die nun einiges zu tun hatten und zurecht ein wenig ins Schwitzen kamen -- aber alle, die nicht in diese Gruppe fallen lassen sich mal bitte nicht von der Panik anstecken: es ist hauptsächlich Papierkram zu erledigen, der dazu dient Eure Daten besser zu schützen -- auch in kleinen Foren! Auch das ist also prinzipiell eine gute Sache.

Ich hoffe nun (wie wir alle), dass es keine bösen Abmahnungen gegen Privatleute gibt. Andererseits hoffe ich einfach mal, dass es bei uns nicht so viel zu holen gibt ;) Also: keine Panik, Leute.

Jauchzet und frohlocket lieber, für die EU macht Ernst mit dem Datenschutz!

Thomas
 
Hier kann man's auch nochmal "schön" nachlesen - wobei es natürlich nach wie vor juristischer Text bleibt ...
https://dsgvo-gesetz.de/

  zuletzt bearbeitet: Sun, 29 Apr 2018 20:23:19 +0200  
Gestern war es endlich so weit: unser erstes Hubzilla-Anwendertreffen hat statt gefunden. Wir waren ein kleiner, vertraulicher Kreis mit drei Usern (neben mir), aber das war ein sehr guter Start für diese Art Veranstaltungen. So konnten wir uns alle gegenseitig unterstützen und ich konnte denke ich auch auf so ziemlich alle aufkommenden Fragen eingehen.

Im Folgenden möchte ich den Ablauf beschreiben und ein paar Impressionen teilen.

Wie bei vielen tollen Dingen mussten wir uns zunächst mit ein wenig Theorie vorbeteiten. Dazu habe ich erstmal ein klein wenig ausgeholt (dezentrale Netzwerke und Federation / Fediverse), um schließlich einen theoretischen Überblick über Hubzilla und Hubzilla-Accounts zu geben.

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Nach dem theoretischen Überblick ging es dann in die Praxis -- wir haben uns ja schließlich zum Anwenden getroffen. Ich habe zunächst einen Rundgang mit einem neuen Account vorgeführt (grob inspiriert an der Hubzilla-Hilfe): Profil- und Titelbild hochladen, Kontakte in Hubzilla und Diaspora suchen, die vielen Einstellungen und Tech-Level, Apps und einfach mal die ersten groben Basics, wie etwa fremde Channel ansehen, letzte Aktivitäten, Channel und Berechtigungen bearbeiten, usw.

In diesem zweiten Teil konnten meine Anwender schon etwas aktiver werden und haben parallel direkt mit gemacht und Hubzilla erforscht. Alles übrigens live im System -- wir haben uns für die Schulung nicht in eine Test-Instanz zurückgezogen.

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Für diesen ersten Teil hatte ich so eineinhalb bis zwei Stunden eingeplant. Als wir dann nach vier Stunden damit fertig waren -- ja, am Zeitmanagement kann ich noch was verbessern... -- haben wir erst einmal Mittagspause gemacht und uns auf unsere wohl verdiente Pizza am Balkon gestürtzt!

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Danach gab es noch einen richtigen Praxisteil mit freiem Ausprobieren und Spielen, wobei es sehr spannend war die verschiedenen Spielwiesen zu verfolgen, sowie zum Abschluss ein Brainstorming, wie es mit unserem Server weitergehen kann.

Insgesamt war die Stimmung trotz des unverschämt guten Wetters draußen sehr gut. Ich denke ich konnte einiges an Wissen über und Sympatie für Hubzilla vermitteln. Vielen Dank natürlich an die Teilnehmer: @Andreas Schelter , @Tanya Borgov und @Gwenny Gloom , ohne Euch hätte mir das Reden und Vorführen nur halb so viel Spaß gemacht ;o)

Ich kann nur alle Hub-Admins ermutigen, so ein Treffen für Eure User anzubieten -- es kam sehr gut an und auch wenn der Teilnehmerkreis überschaubar war haben noch etliche weitere User Interesse bekundet. Ich werde auf jeden Fall noch ein paar weitere Hubzilla-Anwendertreffen veranstalten!

- Thomas
  
Es war wirklich toll und interessant! Vielen Dank und großes Kompliment an dich! Du solltest wirklich mit einer Karriere als Dozent und/oder Kursleiter durchstarten, das hast du voll drauf :D
  
Klingt echt gut! Bravo!
 
Ihr bringt mich ja ganz in Verlegenheit... :)

Ich habe einige Verbesserungsideen, die ich für das nächste Mal noch umsetzen werde (Übungsaufgaben, bessere thematische Gliederung). Natürlich bin ich über jegliche weitere Anregungen dankbar.