Ich habe mein aktuelles Buch ausgelesen, und dabei kamen mir noch einige Gedanken, die nicht direkt mit dem Inhalt zu tun haben... eine der grundlegenden Thesen des Buches ist, dass Politiker das tun, was ihre essentiellen Unterstützer wollen. In einer Demokratie ist das der Teil der Wähler, der für den Politiker gestimmt hat und weiterhin wird, wenn er diese Leute glücklich macht.

Autokraten haben nun den großen Vorteil, dass sie relativ wenige essentielle Unterstützer haben, und diese somit einzeln mit Geld überschütten können. In einer Demokratie, wo der Herrscher zwischen 10% und 25% der Wahlbevölkerung glücklich machen muss, um seinen Job zu behalten, funktioniert das nicht. Der kluge Demokrat investiert lieber in öffentliche Güter, die vor allem seine Unterstützer glücklich machen. Beispielsweise schnelles Internet auf dem Land -- zufällig eine klassische Hochburg konservativer Politik. Allerdings ist der Witz an öffentlichen Gütern eben, dass alle was davon haben. Deswegen ist das Leben in einer Demokratie auch im allgemeinen besser als in einer Autokratie.

Warum erzähle ich das alles? Zum einen, weil das Buch absolut empfehlenswert ist und noch viel mehr spannende Thesen enthält. Zum anderen aber, weil dieser Zusammenhang eine wichtige Lektion beinhaltet: Politiker tun im großen und ganzen, was wir, das Volk, wollen. Vielleicht sind Teile der Bevölkerung wichtiger als andere, aber dennoch sind unsere Politiker nicht nur von einer Hand voll Leuten abhängig, und müssen somit im Blick haben, was ihre Unterstützer und die Bevölkerung insgesamt gerade möchte -- das ist der politische Nutzen von Grundrechten wie der Meinungsfreiheit.

Dann fragt man sich aber doch, warum so oft Zeug passiert, das wir eigentlich nicht wollen. Zum Beispiel der Skandal um #Facebook und #Datenschutz -- warum haben unsere Politiker uns nicht vor den skrupellosen Kapitalistenschweinen aus Silicon Valley beschützt? Warum machen Politiker und Parteien sogar noch Werbung für Facebook?

Wenn wir mal ehrlich sind kennen wir die Antwort doch alle. Wir wollen es so. Alle sind auf Facebook, also machen die Parteien dort Werbung. Firmen wie #Google und #Microsoft machen einen Haufen Geld mit moralisch zweifelhaften (und illegalen) Mitteln, aber sie stellen auch Services und Apps bereit, die die breite Mehrheit tagtäglich nutzt. Wer sich als Politker offen für freie Software und gegen die Nutzung von Facebook, Google, Windows, iPhones, usw. ausspricht macht sich unbeliebt und verliehrt seinen Job. Oder bekommt ihn garnicht erst.

Mit Versprechen, die niemanden interessieren, gewinnt man keine Wahlen.

- Thomas
  
das ist der politische Nutzen von Grundrechten wie der Meinungsfreiheit


...das Buch ist übrigens an einigen Stellen ziemlich zynisch und deprimierend...